Mein erstes Jahr mit KI in der Fotografie: Einblicke und Erfahrungen in der Bildwahrnehmung

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Mein erstes Jahr mit KI in der Fotografie: Einblicke und Erfahrungen in der Bildwahrnehmung

In meinem persönlichen Bericht über die Veränderungen in 2023, die KI und AI in der Fotografie mit sich bringen, tauchen wir in eine Welt ein, in der Technologie und Kreativität auf faszinierende Weise verschmelzen. Von der gesteigerten Effizienz und Kreativität bis zu den Herausforderungen der Authentizität.

Klar, KI und AI gibt es schon viel länger als ein Jahr. Jedoch möchte ich zum Ende des Jahres einen kleinen Einblick geben, wie ich ganz persönlich, die Veränderungen durch AI und KI in der Fotografie erlebt habe. Denn ich glaube fest daran, sich „gegen“ KI zu stellen, ist kein Weg damit umzugehen, auch du solltest mögliche Unsicherheiten oder Ängsten entgegenstehen.

Am Puls der Zeit: Meine Reise in die Welt der KI-gestützten Fotografie

Ich muss zugeben, was mich wohl am meisten überrascht beim Thema KI in der Fotografie war die überwältigende Geschwindigkeit. Das bezieht sich nicht nur auf 2023, sondern eher in den vergangenen Jahren. Die ersten Bildgeneratoren habe ich bis vor 2 Jahren noch großschnäuzig belächelt, doch was in seit diesem Jahr an technologischem Fortschritt einzog, ist einfach schwer zu glauben.

Meine Reise hat da eigentlich nicht wirklich dieses Jahr begonnen, sondern hat ChatGPT hier einfach die Wahrnehmung im großen Maße verändert. Die digitale Transformation ist seit diesem Jahr wohl wirklich bei jedem einzelnen von uns angekommen. Auch im Berufsalltag als Fotograf, oder eher gerade hier!
So richtig in Berührung gekommen bin ich dann aber erst durch Bildgeneratoren, ganz einfach aus Spaß an der Freude. Es überrascht und fasziniert mich noch immer, was AI-Modelle wie Adobe Firefly möglich machen.

Am meisten überrascht haben mich in der konkreten Praxis dabei zwei Dinge:

  1. Die Verbesserungen der bekannten und AI-gestützten Werkzeuge wie Lightroom und Photoshop
  2. Die künstliche Erzeugung von Bildern durch Generative-KI, wie Midjourney

Da ich für meine Arbeit am meisten mit Lightroom arbeite, nehme ich das mal als Beispiel. Vor nicht einmal 2 Jahren war es echt aufwendig, mit Lightroom Bilder zu bearbeiten. Insbesondere das Erstellen von Masken und der selektiven Bearbeitung von Bildern. Hier hat es gut 15–30 Minuten gedauert, bis das Bild dann tatsächlich so war, wie ich wollte.
Jetzt sieht der Arbeitsablauf zwar ähnlich aus, aber das Bild ist in 5 Minuten fertig. Ganz einfach, weil KI mit hilft, das Bild zu interpretieren und selektiv anzupassen.

Masken werden heute mit einem Klick erstellt, niemand fummelt da noch herum.

KI in der Fotografie: Der Wandel

Der Wandel in der Fotografie, wie ich ihn erlebt habe, ist tiefgreifend und vielschichtig. Der offensichtlichste Unterschied zwischen der traditionellen und der KI-gestützten Fotografie liegt in der Geschwindigkeit, Kreativität und Produktivität. Während traditionelle Fotografie (damit ist nicht nur analoge Fotografie gemeint, sondern auch digitale, aber ohne KI) einen entschleunigenden, bedächtigen Prozess darstellt, in dem jedes Detail sorgfältig abgewogen wird, ermöglicht die KI-gestützte Fotografie ein schnelleres Arbeiten. Diese Schnelligkeit geht Hand in Hand mit einer gesteigerten Kreativität, da KI-Tools neue Perspektiven und Bearbeitungsmöglichkeiten eröffnen, die vorher undenkbar waren. Außerdem ergänzen und addieren sich verschiedene Werkzeuge, so kann ich ein Bild künstlich erzeugen lassen, das dann aber mit meinen echten Fotos kombinieren. Und das ist nur der offensichtlichste Ansatz.

Ein kleines Beispiel für den Einfluss von KI-Tools auf meine Bildbearbeitung und -optimierung zeigt sich im folgenden Bild

Hier konnte ich die Kraft der KI voll ausschöpfen, indem ich Bilder selektiv und hochrelevant bearbeitete. Die KI-Technologie ermöglichte es mir, bestimmte Elemente des Fotos hervorzuheben und zu optimieren, ohne dabei die Authentizität des Gesamtbildes zu beeinträchtigen. Dies führte zu einer bemerkenswerten Verbesserung der Bildqualität und einer effizienteren Arbeitsweise, die ohne die Unterstützung von KI nicht möglich gewesen wäre. Natürlich wäre das Ergebnis dieses Bildes auch schon früher möglich gewesen, worauf ich hinaus will, ist die aufgebrachte Zeit.

Das Bild verdeutlichte mir nicht nur die technischen Fähigkeiten der KI, sondern auch, wie sie die künstlerische Ausdruckskraft in der Fotografie bereichern kann. Denn Elemente, wie der ausgetauschte Himmel oben links, sind mit innerhalb weniger Sekunden entstanden. In der RAW des Bildes ist Flairing beim Aufhellen stark in den Vordergrund getreten. Das habe ich mithilfe von Photoshops „generativen Füllen“ super realistisch wegbekommen, eben weil es nun möglich ist, nicht nur Pixel zu kopieren, sondern mit Verstand für den Inhalt des Bildes auszutauschen.

So steht die Fotografie immer mehr einem gewissen disruptiven Wandel entgegen. Zum einen sind viele neue Möglichkeiten entstanden, zum anderen verliert klassische (oder „echte“) Fotografie immer mehr an Bedeutung.

Schnellere Bildauswahl und Massenbearbeitung durch KI

Der wohl größte Effekt in diesem Jahr ist gar nicht so sehr die direkte Bearbeitung der Bilder selbst. Vielmehr hat sich mein Workflow verändert. Ich habe vorwiegend das Tool aftershoot genutzt und mich so sehr daran gewöhnt, dass ich es nicht mehr missen möchte.
Mit aftershoot konnte ich meinen zeitlichen Aufwand derartig verkürzen, dass jetzt mehr Zeit bleibt, um zu fotografieren, zu schreiben oder eben zu entspannen.

KI und AI helfen in dem Zusammenhang die Bildauswahl zu beschleunigen, so werden Bilder vorsortiert und bewertet. Hier gibts kaum noch Aspekte, die nicht berücksichtigt werden. Offensichtliche Dinge, wie Bildschärfe, geschlossene Augen und Verwackler sind hier von vornherein markiert. Gerade im Reportage-Genre, wo oft viele Tausende Bilder entstehen, spare ich so enorm viel Zeit.

Im zweiten Schritt nutze ich ein von mir selbst trainiertes KI-Modell, was meine Bilder individuell anpasst. Die Ergebnisse sind großartig, so muss ich bei einer Hochzeit nur noch in Ausnahmefällen Bilder manuell bearbeiten. Ich habe von einem derartigen Workflow schon seit Jahren geträumt, denn entscheiden ist nun, dass ich mich noch mehr auf die Kundenbetreuung, Marketing und natürlich das „echte fotografieren“ konzentrieren kann.

Hier mal eine Übersicht von aftershoot, die frisch in meiner Inbox lag. Hier ist gut zu erkennen, wie viele Fotos da durch liefen und wie viel Zeit ich in etwa eingespart habe (wobei die zeitliche Angabe mit Vorsicht zu nehmen ist, das ist immer ein sehr individueller Prozess).

aftershoot ki fotografie
aftershoot ki fotografie

KI in der kreativen Bildgestaltung

Zugegeben, die Herangehensweise an kreativer Gestaltung hat sich verändert, insbesondere seit diesem Jahr. Einerseits ermöglicht AI mir eine gesteigerte Kreativität, indem sie neue Möglichkeiten zur Bildgestaltung und -optimierung bieten. Andererseits habe ich bemerkt, dass ich durch die Bequemlichkeit dieser Technologien auch fauler geworden bin. Ich überlasse der KI mehr Entscheidungen, was zwar zu beeindruckenden Ergebnissen führt, aber auch zu einer gewissen Abhängigkeit.

Meine Sicht auf Ästhetik und künstlerische Freiheit hat sich verändert. Mit den Möglichkeiten und Fähigkeit von KI, hyperrealistische Bilder zu erzeugen, wird es immer schwieriger zu glauben, was man sieht. Die Frage nach der Echtheit von Bildern wird immer komplexer, da KI die Grenzen zwischen Realität und Manipulation verschwimmen lässt. Dies führt zu Bildern, die zwar visuell eindrucksvoll, aber gleichzeitig auch irreführend sein können.

Die individuellen Fähigkeiten in der Fotografie und Bildbearbeitung scheinen durch KI-Tools vereinheitlicht zu werden. Es entsteht ein Bild, in dem quasi jeder „fotografieren“ kann, ohne traditionelle fotografische Techniken und Prinzipien zu verstehen und beherrschen. Ich frage mich, ob kreative Gestaltung noch eine Frage der tatsächlichen Kreativität ist oder eher ein Produkt fortschrittlicher Technologien.

Gesellschaftliche Wahrnehmung von Bildern

Kommen wir zu einem Aspekt, der vor allem seit diesem Jahr mehr und mehr Sorgen macht. Die visuelle Kultur und Wahrnehmung von Bildern in unserer Gesellschaft.
Jetzt, wo die Fotografie durch Künstliche Intelligenz eine neue Dimension erreicht hat, sehe ich einen signifikanten Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung von Bildern. Fake Bilder, die durch KI erzeugt und für manipulative Zwecke verwendet werden, werden zunehmend zum Problem. Nicht nur politisch, sondern auch für den Beruf „Fotograf“. Das traditionelle Handwerk der Fotografie verkümmert mehr und mehr, da die Grenzen zwischen Realität, Know-How und Kreation verschwimmen.

Ich frage mich mittlerweile ernsthaft, was Fotografie in ihrem Kern bedeutet und wie wir mit den durch KI geschaffenen Möglichkeiten umgehen sollen. Es ist entscheidend, dass wir ein Bewusstsein für die potenziellen Auswirkungen von KI-gestützten Bildern entwickeln und uns kritisch damit auseinandersetzen. Ich habe mich dieses Jahr oft erwischt, wie ich ins Grübeln kam und anfing, zu negativ zu denken.

KI sollte genutzt werden, ja, aber mit einer transparenten Kennzeichnung, um die Integrität und Glaubwürdigkeit von Bildern zu wahren. Gleichzeitig ist es wichtig, öfter auch mal richtig zu fotografieren, ohne Bearbeitung und Veränderung. Ich mache das mittlerweile sehr gern und schnappe mir mein Fuji X100V und fotografiere einfach drauflos – nur in .jpg und ganz bewusst ohne die Bilder nach noch mal „anzufassen“. Damit schaffe ich es, dass das ursprüngliche Handwerk der Fotografie und die Authentizität, die es mit sich bringt, für mich nicht verloren gehen.

Ich glaube, es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den unendlichen Möglichkeiten der KI und der Bewahrung der reinen, unverfälschten Essenz der Fotografie.

Zwischen Innovation und Tradition: Mein Ausblick auf die Zukunft der Fotografie mit KI

Aus meinen Erfahrungen in 2023 mit KI in der Fotografie habe ich wichtige Erkenntnisse gewonnen, die meine Perspektive sowohl auf die Technologie als auch auf das Wesen der Fotografie nachhaltig geprägt haben. Zunächst einmal sehe ich KI als eine bedeutende Chance, die unsere Arbeitsweise revolutioniert. KI-Tools ermöglichen es mir, produktiver und effizienter zu sein, was mir wiederum mehr Freiraum für kreative Prozesse gibt. Die Freude, die KI in meiner Arbeit hervorbringt, ist nicht von der Hand zu weisen. Doch gleichzeitig ist es unerlässlich, KI und AI kritisch zu betrachten, um die Balance zwischen technologischem Fortschritt und künstlerischer Authentizität zu wahren.

Die Fotografie selbst, in ihrem reinsten Sinne, bleibt für mich die pure Freude am echten Moment. Trotz aller technologischen Fortschritte ist es das Festhalten dieser unverfälschten Augenblicke, das die Fotografie zu etwas Besonderem macht.

Lass uns in die Zukunft schauen: Ich stelle mir vor, dass KI weiterhin eine unterstützende Rolle für uns Fotografen spielen wird. Sie wird uns inspirieren und zu mehr Erfolg verhelfen. Gleichzeitig wird KI uns auch daran erinnern, wie wichtig echte Momente und das echte Fotografieren für unsere Kreativität und mentale Gesundheit sind.
KI wird nicht nur als Werkzeug dienen, sondern auch als Katalysator, der uns dazu anregt, unsere Umgebung und die Welt mit frischen Augen zu betrachten. Die zukünftige Entwicklung von KI in der Fotografie und deren gesellschaftlicher Einfluss werden somit eine Symbiose aus technologischer Innovation und der Bewahrung des menschlichen Elements in der Kunst der Fotografie sein.

Zusammenfassung

  • Revolutionäre Veränderungen durch KI: Künstliche Intelligenz hat die Fotografie durch schnellere Bearbeitungsprozesse und gesteigerte Kreativität fundamental verändert, wobei die traditionelle Fotografie an Bedeutung verliert.
  • Ethische Bedenken und Authentizität: Die zunehmende Nutzung von KI wirft Fragen zur Authentizität von Bildern auf und erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit den ethischen Implikationen von KI-gestützten Bildern.
  • Zukunftsperspektive der KI in der Fotografie: KI bietet große Chancen für Fotografen, inspiriert zu neuen kreativen Höhenflügen und erinnert gleichzeitig an die Bedeutung echter, unverfälschter Fotomomente für Kreativität und mentale Gesundheit.

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