Die wichtigste Entscheidung meines Lebens

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Etwas aufzuschreiben hilft mir einen gewissen Rückblick zu erlangen, aber auch nach vorn zu schauen. Es ist für mich die ideale Kombination aus „mit meinen Gedanken verbunden zu sein“ und dennoch in einer gewissen „Meta-Ebene“ objektiv zu bleiben. Aus diesem Grund geht es  in diesem Beitrag viel weniger um Fotografie, als in all meinen anderen Beiträgen und Gedanken auf meinem Blog. Denn ich habe eine wichtige Entscheidung getroffen und wenn du dich in einer ähnlichen Situation befindest, helfen dir meine Gedanken vielleicht.

 

Wenn eine wirklich wichtige und wesentliche Entscheidung ansteht, gerät das Selbstbild und die Klarheit schnell ins Wanken, dass muss auch ich gerade erfahren. Deshalb schreibe ich darüber und teile meine Gedanken mit euch.

 

Die wichtigste Entscheidung meines Lebens und was sind eigentlich wichtige Entscheidungen?

Bevor ich zum Kern meiner, genauer gesagt unserer Entscheidung, komme habe ich mir diese einfache Frage gestellt: Was sind eigentlich wirklich wichtige Entscheidungen?
Denn mit den Entscheidungen ist es manchmal verflixt. Du kennst vielleicht die Situation: Du sitzt mit Freunden im Restaurant und die nette Bedienung bringt euch die Karte. „Ufff – sechs Seiten voller verschiedener Gerichte“ denkst du, wie soll ich mich bei der individuellen Klasse nur entscheiden?
Glückwunsch, denn du gehörst hier zu denen, die am liebsten alles mal ausprobieren wollen und sich einfach nicht entscheiden können. Die Krux an der Geschichte ist ganz einfach die, dass wir die Konsequenzen nicht absehen können.

Das Problem von Entscheidungen

Klar, jetzt ist die Auswahl des Abendessens im Lieblings-Restaurant nicht direkt eine wirklich wichtige Entscheidung, aber das in ihr liegende Problem ist dasselbe.

 

Eine wirklich wichtige Entscheidung liegt im Hier und Jetzt genauer gesagt muss jetzt getroffen werden, die Auswirkungen aber sind weit in der Zukunft. Ich weiß also nicht, ob ich eine gute Entscheidung treffe, oder nicht?

 

die wichtigste entscheidung meines lebens 004
die wichtigste entscheidung meines lebens 004

Entscheidung: Weltreise!
Oder genauer gefragt: entscheide ich mich für oder gegen mich?

Doch worum geht es nun eigentlich genau, das dürfte dich nun (zurecht) interessieren und ich werde dir das hier kurz darlegen:

Ich bin jetzt 33 und konnte seit meinem Auszug von Zuhause, was mit ca. 21 Jahren war, viele schöne Dinge erleben. Unter anderem durfte ich meine große Liebe Julia kennenlernen, mit ihr bin auch heute noch glücklich zusammen. Beruflich ging es stetig bergauf, anstatt ab, sodass ich schon ein wenig Stolz darauf seien könnte. Das wichtigste seither ist aber eines: Ich bin gesund, kann mich körperlich und geistig frei ausleben. Das ist ganz sicher nicht selbstverständlich und ich selbst sehe das als das größte Geschenk an. Doch mehr oder weniger ist mein Lebensweg bisher einfach zu „normal“, insbesondere durch die lange und schwierige Zeit mit der Pandemie ist Julia und mir eines immer klarer geworden: Ist es denn das Leben, was wir wirklich leben möchten?

Wenn Werte und Ziele mein Leben bestimmen sollten

Die Entscheidung, eine mindestens 1-jährige Weltreise inmitten der global anhaltenden Pandemie zu machen, könntest du nun als „die spinnen doch“ abklären. Ja, du hättest sogar recht und ich kann jede Äußerung dahin gehend nachvollziehen. Es gibt darüber hinaus aber etwas Höheres, etwas, was individuell ist. Ich meine damit die Frage nach seinen eigenen Werten und Zielen im Leben. Ein Ziel muss dabei nicht immer eine exakte Handlung oder den Abschluss eines Prozesses sein. Nein, für mich ist das die Frage nach der langfristigen Ausrichtung. Die Basis für diese Ausrichtung ist jedoch erst einmal zu klären – d. h. welche Werte will ich eigentlich vertreten? Um genau das herauszufinden geht es eben!

Sag ich ja oder nein zu mir selbst?

Diese Werte und Ziele für mich zu finden, ist eine der wichtigsten Aufgaben in den kommenden Wochen und Monaten. Denn eines ist klar, etwa die Hälfte meines Lebens ist vorbei (wenn ich Glück habe, vielleicht auch weniger), meine Lebenszeit streicht dahin und zurzeit fehlt mir das „Große und Ganze“. Es wird also Zeit, herauszufinden, was für mich im Leben zählt. Es ist die Frage nach der eigenen Integrität.
Zu sich selbst zu stehen bedeutet auch, den Status quo nicht einfach zu akzeptieren. JA zu sich selbst zu sagen und in das Ungewisse zu gehen, ich glaube, nur so kann das funktionieren. Ich will mein Selbstwert steigern und meine Interessen neu fokussieren und das geht nicht im immer selben Rahmen und den gleichen täglichen Mustern.

 

die wichtigste entscheidung meines lebens 003
die wichtigste entscheidung meines lebens 003

 

Wenn hinter der Entscheidung, mehrere weitere (noch wichtigere) Entscheidungen stecken!

Um die Welt zu tingeln und ferne Länder zu sehen kann allerdings auch nur die Behandlung der eigenen Symptome sein. Ich liebe die romantische Vorstellung, dass jede Veränderung in dir selbst „von innen nach außen“ geschehen muss. Ich betone hier, „die romantische Vorstellung“ – denn seien wir mal ehrlich, wie viele schaffen das wirklich konsequent und kongruent für ihr Leben umzusetzen? Wahrscheinlich die aller wenigsten.

Wer will ich SEIN

Ich habe mich in langen inneren Dialogen immer wieder gefragt: Warum will ich diese Reise machen und warum habe ich im Vorfeld so viel Angst? Erst durch gnadenlose Ehrlichkeit zu mir selbst konnte ich das genauer definieren. Es geht um die wichtigste Entscheidung meines Lebens: Wer zum Teufel noch mal will ich eigentlich SEIN?

Vor einiger Zeit hatte ich das Buch „Haben oder Sein“ von Erich Fromm gelesen. Zusammengefasst geht es um folgendes:

„Haben oder Sein“ ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem vorherrschenden Problem in unserer Gesellschaft alles haben zu wollen, oder immer mehr haben zu wollen. Der Mensch ist nur ein Objekt des Wirtschaftssystems. Die Folge: Selbstentfremdung, Krankheit und Unglück. Zwischen Gesellschaften und Ländern entsteht immer mehr Neid und Krieg. Das Gegenstück und die offensichtliche Lösung wäre die Frage nach dem Sein. Nicht der Besitz definiert dich, sondern das, was du bist, genauer gesagt was du sein willst.

Ich habe alles! Ich bin gesund, ich lebe in einem der sichersten Länder der Welt, ich habe zu essen und zu trinken (im totalen Überfluss) und ich darf mich frei entfalten. Doch genau da springt die Schallplatte: Entfalte ich mich wirklich zu dem, der ich SEIN will? Oder horte ich auch nur sinnlose Dinge und Besitz. Bisher trifft eher das Haben auf mich zu und genau das fühlt sich mehr und mehr falsch an! Mich zeichnet doch soviel mehr aus, als das, was ich besitze? Es ist eine dieser Fragen, welche nicht einfach zu beantworten sind und Zeit erfordern. Zeit, die wertvoll ist und deshalb auch richtig eingesetzt werden muss. Aus diesem Grund entscheide ich mich gegen mein derzeitiges (zugegeben sehr angenehmes) Leben.

Momente anstatt Dinge

Es gibt das schöne Bild, welches im Buch „The Big Five for Life“ von John Strelecky  gezeichnet ist, nachdem gefragt wird: Was soll am Ende deines Lebens in deiner Bildergalerie hängen? Bilder von vermeintlich hochwertigem Besitz wie Autos, Häuser, Technik und allerlei Schnickschnack oder Bilder mit großartigen Menschen und glücklichen Momenten? Welche Personen umgeben dich dort? Hängen dort Bilder von dir an der Arbeit die dich ein Leben unglücklich gemacht hat oder Bilder von den Tätigkeiten, die du aus Leidenschaft gemacht hast?

„Collect moments not things“ – Das trifft es ziemlich genau und die Redewendung ist nicht umsonst eine! Momente sammeln, anstatt Dinge oder anders gesagt SEIN anstatt HABEN! Auch um diese Entscheidung geht es in meinem Leben und auf unserer anstehenden Reise. Die Erfahrung des SEINS zu machen und nur das nötigste zu haben wird mir vielleicht Helfen ein besserer Mensch als gestern zu sein.

Die Komfortzone ist nichts anderes als ein offener Vollzug

Hinter der Entscheidung eine Weltreise zu machen steht eine weitere essenzielle Entscheidung. Wie will ich in meinem weiteren Leben mit Unsicherheiten und Ängsten umgehen? Die letzten 2 Jahre um die Corona-Pandemie haben es ganz klar bewiesen: Es gibt einfach keine Sicherheit! Nicht im Job und nicht für das eigene Leben! Die ach so tolle Komfortzone ist im Prinzip nichts anderes als ein offener Vollzug! Anders ausgedrückt ist die Komfortzone sogar eine Zone, die dich Stück für Stück lähmt und dich deiner Möglichkeiten beraubt. Je länger du in dieser Zone verharrst, desto stärker wird die Angst diese zu verlassen und das verkleinert deinen Realitäts-Radius allmählich. Dahinter stecken fast immer Routinen! Ich erwische mich selbst oft, wie die Dinge von ganz allein passiert sind. Dinge wie Autofahren: Die erste Stunde in der Fahrschule war komplett überfordernd, an meine letzte Autofahrt erinnere ich mich fast gar nicht. Es ist diese Art von Autopilot, welcher einen Großteil der Wahrnehmung schluckt und uns emotional und geistlich verstummen lässt.

Bemerkenswert finde ich, dass der Philosoph Heraklit schon vor über 1500 Jahren schrieb: „Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“. Die inneren Gedanken sind also dieselben, nur die Herausforderungen haben sich verändert. Ich arbeite daran, mehr und mehr zu akzeptieren, dass Veränderung normal ist und wie ein Naturgesetz zu verstehen ist. Will ich also stärker werden und das Leben bejahen muss ich lernen ins Ungewisse zu gehen! Was gibt es also besseres als eine Weltreise, um dieses Spiel zu spielen?

Weg vom Leistungs-Rad der Gesellschaft

Die letzte große Entscheidung ist eher eine, die im Außen liegt. Es ist die Frage nach der Art und Weise zu arbeiten und wie ich Leistung definieren will. Ständiges Vergleichen von dem ganzen Besitztum und der nervigen Frage, wer ist in allem der Beste. Auch hier zeigt sich Fromms Haltung zum Haben geprägtem Leistungsgedanken unserer Gesellschaft. Auf unseren kleineren Reisen konnten wir zumindest diesen Teil auch anders erleben. Arm zu sein bedeutet nicht Unglücklich zu sein, in vielen nicht westlichen Ländern ist das deutlich zu spüren. Es kotzt mich an, wie wir mit unserem Wohlstand umgehen!

Ich will herausfinden, wie viel Zeit ich gegen Geld eintauschen möchte und ob es nicht vielleicht auch andere Wege gibt, die mich als Menschen mehr SEIN lassen können.

 

die wichtigste entscheidung meines lebens 001
die wichtigste entscheidung meines lebens 001

 

Sich für das größte Abenteuer seines Lebens zu entscheiden, benötigt mehr Mut, als Verstand

Julia und ich waren zwar schon in so einigen Ländern wie Thailand, Portugal, Neuseeland oder China, aber wir haben es immer vermisst, mehr Zeit zu haben um sich treiben zu lassen. Denn genau das braucht es um all diese wichtigen Entscheidungen treffen zu können. Einen richtigen Zeitpunkt gibt es sowieso nicht, nur gut stehende Konstellationen und diese haben wir gerade.

Es ist nicht leicht all die Annehmlichkeiten zurückzulassen. Doch der erste Schritt ist bewusst durch die Angst zu gehen und den Mut aufzubringen. Wir verkaufen den Großteil unseres Besitzes, ich habe meinen „sicheren“ Job gekündigt und gemeinsam mit Julia gehe ich ab Januar 2022 all diesen Fragen auf den Grund. Ja, wir reisen ins ungewisse, eine feste Route haben wir nicht (Corona würde das nur unnötig erschweren) doch genau das ist bekanntlich einzige Konstante, die ständige Veränderung. Umso mehr bin ich gespannt fantastische Momente mit Menschen aus den verschiedensten Kulturen.

Auch als Fotograf ist das eine große Chance, meine Kamera wird mehr und mehr ein Werkzeug mein Leben zu dokumentieren und auf unserer Reise wird sie vielleicht der Spiegel meiner Gedanken.

Wenn ich dich mit meinen Gedanken inspirieren konnte und du dich auch entscheiden musst, ganz egal was, lass es mich gern wissen und kontaktiere mich einfach. Ich freue mich auf jeden Menschen in meinem Leben.

Wer hier schreibt

Hi, ich bin Stefan Franke und lebe in Fulda. Ich liebe das Laufen, Reisen und Fotografieren. In meinem Blog schreibe ich über fotografische Themen, inspirierende Künstler, spannende Technik oder über das Leben und Reisen. Ich bin ausgebildeter Fotograf, Mediengestalter und seit über 12 Jahren als Fotograf unterwegs. Auf dem Bild siehst du mich auf der Chinesischen Mauer, während eines spontanen Selfies. 

Stefan Franke auf der Chinesischen Mauer
Das Lese ich gerade

Susan Sontag erötert die Beziehung der Fotografie zur Kunst, zum allgemeinen Bewusstsein, zur Realität und diskutiert die Arbeiten der berühmten und entscheidenden Fotografen des 20. Jahrhunderts – und die Enstehung einer Ästhetik, die es vor der Fotografie nicht gab. Das Buch ist über 40 Jahre alt, aber aktueller denn je. 

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