Die Sony Alpha 9 MK II – überteuert oder unterschätzt? Meine Erfahrung mit der schnellsten Kamera von Sony

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Inhaltsverzeichnis

Sony Alpha 9 MK II im Test

 

Ich bin nun schon seit Juni 2017 Sony Fotograf und bin umgestiegen von Nikon auf Sony.

Bis heute habe ich diese Entscheidung keinesfalls bereut, durch die Alpha 9 konnte ich in den letzten Jahren großartige Momente fotografieren und bin seither verwöhnt vom schnellen Autofokus und der großartigen Gesamtperformance.

Vor etwa einem Jahr hat Sony dann die Nachfolger Kamera, die Sony Alpha 9 Mark II veröffentlicht und auf den Markt gebracht. Als ich das erste Mal die technischen Daten der Kamera las, war ich ein wenig enttäuscht, denn auf dem Papier liest sich das Ganze so, als wäre hier “neuer Wein in alte Schläuche” gegossen worden.

Vor kurzem kam Sony auf mich zu und ich konnte die Sony Alpha 9 Mark II für etwa eine Woche testen. Ich hatte die Kamera dann auf einer kompletten Hochzeitsreportage im Einsatz,  konnte damit mehrere Shootings machen, war Wandern und bin mit der Kamera durch die Stadt gelaufen und habe mich an kreativer Streetfotografie hier in Fulda ausprobiert. 

Eine Woche reicht natürlich nicht aus um die Kamera voll umfänglich testen zu können, deshalb ist dieser Beitrag lediglich um einen kurzen Einblick in meine Erfahrung mit dieser Kamera zu geben.

Da alle technischen Daten hinreichend bekannt sind möchte ich hier eher aus dem Kontext eines Berufsfotografen sprechen, der Kameras täglich im Einsatz hat und auch bei längeren Einsätzen (insbesondere Hochzeitsreportagen). Da zählen vor allem das Bedienungskomfort und die Zuverlässigkeit der Kamera.

Dieses Review ist also insbesondere für diejenigen, die sich eine Alpha 9 kaufen möchten oder überlegen von der Mark I auf die Mark II zu wechseln. 

Mein erster Eindruck: griffig, Verdammt griffig!

 

Ja, mein erster Eindruck bzw. meine erste Berührung mit der Kamera war wirklich positiv. Rückblickend kann ich überhaupt nicht verstehen warum die Sony Alpha 9 Mark I hier im Vergleich so „schlecht“ abschneidet. 

Die Rede ist von den offensichtlichen Verbesserungen des Tragekomforts. Meine Hand passt Perfekt um den Griff und das Problem, dass der der kleine Finger lose unter dem Batteriefach umher hängt, ist nun passee. Die Kamera scheint also etwas größer zu sein als der Vorgänger. 

Mein zweiter Gedanke war dann sofort: Warum zum Teufel noch mal Sony (!) habt ihr das nicht bereits bei der ersten Version der Kamera gemacht!? Gerade wenn ich daran denke dass die Sony Alpha 9 Mark I zur Markteinführung über 5000 € gekostet hat, kann ich das absolut nicht verstehen. Klar jetzt könnte man sagen im Nachhinein ist man immer schlauer, davon ist hier aber nicht die Rede. Ich rege mich über diesen Umstand auch so auf, da der neue Griff und die Verbesserungen einfach so deutlich sind (der Tragekomfort ist wirklich sehr sehr gut), sodass ich mir als Kunde nun vorkommt, als müsste ich direkt wieder eine neue Kamera kaufen. Was den Kamerahersteller natürlich in den Geldbeutel spielt. 

 

Der Teufel liegt im Detail

 

Was meine ich damit?
Als erstes muss ich den AF-ON Button auf der Rückseite der Kamera erwähnen. Dieser ist fast doppelt so groß wie der alte AF-ON Button, steht weiter hervor und hat einen sehr, sehr schönen Druckpunkt. Insgesamt ist das fast schon ganz anderes fotografieren als mit der A9 Mark I.

Ich konnte die Sony Alpha Mark II auf einer Hochzeit einsetzen und hatte sie etwa 10 Stunden im Dauer Einsatz. Gerade hier ist mir die Veränderungen und die positive Neugestaltung des AF-ON Button aufgefallen. Es macht nun deutlich mehr Freude mit der Kamera zu arbeiten, außerdem hat der kleine AF-ON Button bei häufigen drücken und auslösen nach der Zeit Schmerzen im Daumen verursacht, das ist hier nun nicht mehr der Fall.

 

Kommen wir zum Joystick.

 

Der Joy Stick hat eine andere Oberfläche und ist zu viel griffiger, zudem ist er deutlich größer und lässt sich daher schneller und leichter ansteuern. Die Autofokuspunkte sind daher viel weicher und viel genauer zu steuern. Des weiteren hat Sony die C3 C2 und C1 Taste überarbeitet, diese sind nun ebenfalls größer und haben einen erheblich weicheren Druckpunkt. Es ist wirklich sehr angenehm diese zu bedienen.

 

 

Der Shutter

 

Das der mechanische Verschluss nun 10 Bilder/s schießt, ist mir persönlich nicht so wichtig, hier ist der elektronische Verschluss sowieso eine Rakete. Was ich beim Fotografieren wirklich genossen habe, ist das deutlich leisere und weichere Verschlussgeräusch. Die A9 MK I hab ich in 95% aller Fälle immer lautlos ausgelöst, das Geräusch des Shutters ist mir zu brachial. Mit der A9 MK II ist das nun deutlich dezenter, ich wage zu behaupten, dass 3 Meter weiter den Shutter niemand mehr hört. Der Sound ist angenehm und irgendwie smart, das passt zur Kamera! 

 

Keine Fingerakrobatik mehr!

 

Die A9 Serie der Alpha Serie hat auf der linken Gehäusehälfte ein extra Steuerrad an dem die verschiedenen Geschwindigkeits Modi eingestellt werden können. In diesem Rad ist ebenfalls ein weiteres Rad integriert dass zur Steuerung von Autofokus Modi zur Verfügung steht. Bei der Mark I eins musste man hier für einen weiteren kleinen Schalter nach unten drücken und konnte dann das Wahlrad drehen.

Mit der Mark II zwei ist dieser kleine Kippschalter nun in einen Schalter integriert, man drückt und dreht also zeitgleich. Das hat den großen Vorteil, das Fingerakrobatik der Vergangenheit angehört. Gerade in hektischen Situationen hatte ich hier in der Vergangenheit oft Probleme und war genervt vom komplizierten umschalten. 

 

 

Sicher ist sicher!

Das Wahlrad für die Belichtungskorrektur ist mit einem zusätzlichen Lock-Button versehen worden. Ich weiß gar nicht wie oft ich Bei der Mark I  das Belichtungs Wahlrad aus versehen verdreht habe und überrascht war, als die Belichtung völlig daneben ging.

 

 

Schneller als die Polizei erlaubt!

 

Komme ich nun zu den inneren Werten. Hier war ich vorab ja nicht sehr überrascht dennoch gibt es was den Autofokus betrifft positives zu berichten. Im direkten Vergleich zur Mark I eins ist die Mark II nochmal ein Tick schneller, der Autofokus greift etwas schneller und das Tracking ist hartnäckiger. Zusammen mit dem großen AF-ON Button, stellt sich ein hervorragendes Gefühl beim Fokussieren ein. 

Der Autofokus ist also (Stand Oktober 2020) nach wie vor einer der schnellsten aller Kameras die zur Zeit auf dem Markt sind. Das dürfte nicht nur Sportfotografen freuen, sondern auch viele Fotografen die sich auf der Straße bewegen oder Reportagen fotografieren.

 

Hier eine kurze Sequenz aus einer produzierten Lauf-Serie. Es handelt sich dabei um ein Lauf durch Gestrüpp, alle Bilder entstanden innerhalb von 3 Sekunden (in RAW, volle Auflösung) – der Fokus sitzt bei jedem Bild!

Mein Fazit

 

Am Ende des Test blieb für mich die Frage offen:  Ist es das Gesamtpaket nun wert auf die Mark II upzugraden oder nicht?

Und ich bin ganz ehrlich mit euch:  Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, auch wenn die Kamera bereits wieder zu Sony zurückgeschickt worden ist, bleibt ein komisches Gefühl. Die Mark II hat einfach mehr Freude in der Benutzung gemacht. 

Es geht ja auch gar nicht darum welche technischen Specs jetzt besser sind oder schlechter, sondern vielmehr darum, ob die Kamera und ihr neues Bedienkonzept das Leben als Fotograf angenehmer und leichter macht.

Da der Preisverlust der Sony A9 MK I ziemlich hoch ist, macht es aus betriebswirtschaftlichen Gründen aktuell wohl keinen Sinn auf die A9 MK II upzugraden. 

Wenn du allerdings einsteigst und die Sony Alpha 9 Serie kaufen möchtest dann kann ich dir ganz klar zur Mark II zwei empfehlen. Sie ist einfach die bessere und ergonomische Kamera!

 

stefan franke logo black