Street Fotografie mit der Sony ZV1

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Street Fotografie mit der Sony ZV1

Die Sony ZV1 ist mittlerweile schon fast zwei Jahre auf dem Markt, seit Mai 2020. Ihr Konzept ist eigentlich der Media-Creator, Vlogger und Filme-Macher. Für mich lag dieses Model lange nicht im Visier, denn ich fotografiere eigentlich für Businesskunden und Hochzeitspaare. Erst kurz vor dem Beginn unserer Weltreise suchte ich nach einer kleinen, kompakten und leistungsstarken Kamera zum Filmen.

Street Fotografie hat für mich seit meinem 366-2020 und 365-2021 Fotoprojekten einen hohen Stellenwert. Ich mag das unvorhergesehene und die unendliche Vielfalt, die sich auf der Straße ergibt. Street Fotografie ist das Fotografieren im öffentlichen Raum, ihre Stile sind vielfältig, aber eines vereint alle: Echte Momente, fast immer Bruchteile einer Sekunde, festzuhalten. Ob nun kontraststark, plakativ, oder puristisch authentisch. Warum ich insbesondere die kleine Sony ZV1 zu schätzen gelernt habe, zeige ich in diesem Beitrag. Ich aktualisiere regelmäßig entstandene Bilder.  Alle Bilder entstanden in verschiedenen Ländern während meiner Weltreise.

Die Sony ZV1 ist technisch gesehen eine Sony RX100 Mark 7, nur mit anderem Objektiv. Denn mit ihrem vergleichsweise starken Zoom (äquivalent 24 mm–70 mm) und der F1.8 (bei 24 mm) bietet sie eine großartige Leistung für ein so kleines Gesamtpaket. Zudem kostet sie gebraucht nur noch um die 500 Euro, hier bekommst du also verdammt viel Kamera für ein schmales Budget.

Für Straßen respektive Street Fotografie eignet sie sich darüber hinaus besonders gut, wie ich in den letzten Wochen mehr und mehr erfahre. Hier drei Gründe, warum die Sony ZV1 ideal für Street Fotografie ist:

 

  1. Sie ist klein, kompakt, leicht und unauffällig
  2. Sie ist schnell, verdammt schnell 
  3. Die Bildqualität ist für ihren 1 Zoll Sensor großartig

 

Sony ZV1 – Klein und kompakt,  so unauffällig wie möglich

Eines der wichtigsten Aspekte der meisten Street Fotografen ist es unauffällig zu agieren. Der entscheidende Moment, wie ihn Henri Cartier-Bresson so schön umschrieb, ist frei von aktiven Veränderungen. Hier zählt es: Unauffällig sein und im richtigen Moment abzudrücken. Genau das konnte ich mit der Sony ZV1 bisher erfahren. Auch weil die Kamera für Laien wie eine einfache, kleine „Touristen Kamera“ aussieht. Die wenigsten vermuten hier ernsthafte „Kunst“ oder gar „Straßen Fotografie“. Und das will ich, ich will den Moment und die Realität nicht aktiv verändern, indem ich auffalle.

Besonders praktisch ist hierbei das Dreh- und Schwenkbare Display. Ich laufe oft durch die Straßen und schaue dabei auf den Bildschirm, wie bei einer ikonischen Hasselblad 500C. So entstehen viele Bilder auf Hüfthöhe, was zusätzlich unaufdringlich wirkt. Es ist sogar so, dass es eher danach aussieht, als würde ich nur etwas einstellen. So gelingen besonders authentische Bilder, den gerade mit den 24 mm am unteren Ende ist es wichtig nah ranzugehen.

Sony ZV1 mit spitzen Autofokus – Schnelligkeit zahlt sich aus

Der zweite wichtige Aspekt ist, das Gesehene so schnell wie möglich auf den Kamerasensor zu bringen. Kurzum: Sehen, Gestalten und Abdrücken. Diese drei Prozesse laufen bei mir unterbewusst ab, das Ganze dauert keine Sekunde. Gut so, dass die Sony ZV1 einen den Autofokus der A9 verbaut hat und somit einfach nur rasend schnell ist. Ich habe hier fast immer AF-C (Nachführautofokus) aktiviert und nutze die gesamte Fläche der verbauten Messfelder (Mehrfeldmessung).

Meist verlasse ich mich darauf und wenn es doch noch schneller gehen muss, dann hilft die Hyperfokaldistanz. Sie beschreibt den Punkt, ab dem durch die Entfernung zum Objekt, Blenden und Brennweiten Abhängigkeit alles im Bild scharf wird. Das tolle: Die ZV1 liefert einen Fokus- und Distanzskala mit. Daran kannst du genau erkennen, ab welcher Entfernung alles scharf ist, auch ohne Autofokus.

So kann ich mich immer gut auf die Umgebung konzentrieren und schnell reagieren. Gerade in südamerikanischen oder asiatischen Ländern geht es auf der Straße extrem hektisch her. Hier ist es schwierig interessante Szenen sowie Momente zu isolieren. Umso wichtiger ist es also, sich ganz bewusst auf den Raum vor sich zu konzentrieren.

Tolle Bildqualität – mehr als du in der Street Fotografie benötigst

Es wird ja immer erzählt, 20 Millionen Bildpunkte seien zu wenig, hier deshalb kurz zur ZV1 (respektive 20MP) und deren Möglichkeiten:

Ein 1 Zoll (2,54 cm in der Diagonale) Sensor, genauer gesagt der Sony IMX283, nennt die Sony ZV-1 ihr Eigen. Darauf verteilt sind 20 Millionen Pixel. Hier stehen also 116 mm² gegen z. B.  35,2 mm² eines aktuellen iPhone 13. Vereinfacht gesagt: Der Sensor der ZV1 ist mehr als 3-mal (3,3) so groß wie der in einem iPhone 13.  Ich fotografiere selbst auch mit einem iPhone 13, doch fehlt mir hier die Qualität in den Pixeln und vor allem ergonomische Aspekte.

Mit 20MP (die ZV1 liefert 5472 × 3648 Pixel) kannst du etwa einen DIN-A3-Ausdruck in hochauflösender Druckqualität (300 DPI) anfertigen. Wenn wir davon ausgehen, dass 150 DPI plus der entsprechende Leseabstand (etwa das doppelte der Bilddiagonale) immer noch ausreichen, um als scharf/nicht verpixelt wahrgenommen zu werden, kannst du sogar in DIN-A1-Drucken. Das sind 59 cm × 84 cm.

Ich wage zu behaupten, dass die wenigsten überhaupt in der Größe Bilder drucken. Für die meisten reicht es wohl für den Instagram Post, und hier sind gerade etwa 0,7 Megapixel notwendig (bei einer Seitenlänge von 1000 Pixel und einem Seitenverhältnis von 3:2)

Noch was dazu: Schau dir mal große Werke von Cartier-Bresson, Martin Paar oder Joel Meyerowitz an, diese Fotografen verwendeten analoge Kameras und wenig starke Objektive, das alles ist meilenweit weg von der technischen Meisterleistung, die heutige Kameras und Objektive vollbringen. Am Ende zählt schlicht und einfach der Bildinhalt – Licht, Bildkomposition und der (emotionale) Moment.

Der Sensor der ZV1 verfügt zudem über einen überraschend großen Dynamik-Umfang, ich belichte gern 1 bis 2 Blenden unter, um die Lichter zu wahren, zudem mag ich einen eher harten Kontrast. In Lightroom sind diese Unterbelichtungen ausgleichbar, bei geringem Farb- und Luminanz-Rauschen.

Wie die Sony ZV1 für Street Fotografie noch besser werden könnte

Was mir im Laufe der Zeit aufgefallen ist und wo ich Verbesserungspotenzial sehe:

  • Das Festlegen einer fixen Brennweite! Startest du die Kamera, sind immer 24 mm der Ausgangspunkt. Ich wünsche mir eine Einstellung, wo ich die Brennweite fixieren kann.
  • Klar, die Akkuleistung ist nicht gut und könnte besser sein
  • Der Griff könnte etwas größer sein – es gibt aber optionale Thumbs oder Aufsätze
  • Ein USB-C Port anstatt des schlechten mini USB zum Aufladen und kopieren der Daten
Street Fotografie Arequipa 1
Street Fotografie Arequipa 1

Wer hier schreibt

Hi, ich bin Stefan Franke und lebe in Fulda. Ich liebe das Laufen, Reisen und Fotografieren. In meinem Blog schreibe ich über fotografische Themen, inspirierende Künstler, spannende Technik oder über das Leben und Reisen. Ich bin ausgebildeter Fotograf, Mediengestalter und seit über 12 Jahren als Fotograf unterwegs. Auf dem Bild siehst du mich auf der Chinesischen Mauer, während eines spontanen Selfies.

Stefan Franke auf der Chinesischen Mauer

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Ich bin auf Weltreise und befinde mich gerade in Australien.  Zwischen Sydney und Cairns liegen sicher einige Motive.

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