Sony A7IV Test – meine Erfahrungen auf Weltreise

Übersicht

Sony A7IV Test – mit Sonys neuer auf Weltreise

Seit Ende November 2021 besitze ich die aktuelle Sony A7IV und konnte seit dieser Zeit eine Menge Eindrücke auf unserer Weltreise mit der Kamera machen. Zwischen idealem Hybrid, neuem ergonomischem Freund und Überhitzung beim Filmen liegt der Konsens.

In diesem Test-Beitrag zur Kamera schildere ich meine Eindrücke und zeige viele Bilder, die mit der neuen Sony A7IV entstanden sind.

Mit der A7IV macht Sony gedanklich vieles richtig und technisch alles besser – diese Kamera ist der ideale Hybrid und vereint Fotos und Filmen wie kaum eine andere Kamera. Dabei gelingt Sony der Balance-Akt, wie beim Überqueren einer Slackline.

Kurz die wichtigsten Fakten zur A7IV: 33 Megapixel Sensor, klapp- und drehbares Display, FZ100 Akku, neuer Sucher und besseres Display als beim Vorgänger, aufgebohrte Film-Funktionen, die fast alles können, was die A7SIII auch kann. Und das sind nur die wesentlichsten Neuerungen, aber die Specs sind hinlänglich bekannt, kommen wir also zu den praktischen Fragen.

Vorteile

Idealer Hybrid
Guter Komfort
Hervorragende Bildqualität

Nachteile

Preis
Überhitzt beim Filmen

Der Erstkontakt: überraschend fest im Griff

Die Sony A7IV kommt in ähnlicher Verpackung wie viele ihrer Vorgänger, doch heißt das nichts Schlechtes. Mein erster Eindruck war überraschend positiv. Gerade, wenn du noch nie eine der neueren Sonys in der Hand hattest, wirst du dich über das schöne und matte finish freuen. Die Knöpfe sind klar und deutlich angebracht. Alle Druckpunkte sind endlich so, wie sie auch sein sollten: groß und mit festem Druck, aber nicht zu starkem Widerstand.

Der große Paukenschlag ist allerdings die Tiefe des Griffs. Kommst du von einer A7III oder sogar älter, dann kannst du bei der A7IV nun beherzt zugreifen und wirst sofort den angenehmen und sicheren Griff spüren. Auch mit größeren Händen liegt die A7IV jetzt besser und sicherer in der Hand. Ich frag mich, wieso so das 5 Jahre dauern musste, bis die japanischen Entwickler von Ihren eigenen Händen abwichen.

Ansonsten ist der erste Eindruck nichts Spektakuläres – außer das schwenkbare Display ist für dich etwas Neues. Zwei Details fällen aber auf, das Belichtungskorrektur-Rad ist jetzt ohne Aufdruck und es gibt ein neues Wahlrad unter dem Hauptrad. Damit wechselst du schnell zwischen Fotografieren und Filmen.

Das Herz der Kamera: 33 Megapixel auf 8,64 cm² Sensorfläche

Die Sony A7IV beherbergt einen Vollformat-Sensor und dessen Fläche ist mehr als 24-mal so groß wie die eines aktuellen iPhone 13 (35,2 mm²). Es bedarf keine weiteren großen Rechenbeispiele, um klarzumachen, dass die Bildqualität besser ist als das Smartphone. Doch wie gut, das zeigt sich erst beim Fotografieren und Bearbeiten.

Spaß bei Seite: ein iPhone mit einem Vollformat-Sensor zu vergleichen, ist wie Birnen und Äpfel in einen Korb zu werfen. Es geht mir hierbei auch mehr darum, zu verdeutlichen, warum große Sensoren nach wie vor eine Daseinsberechtigung haben.

Sonys A7IV Sensor hat erst kürzlich im DxO Sensor-Rating 97 Punkte erreicht. Damit spielt die Kamera, für das was sie noch alles kann, schon ziemlich weit oben mit. Mach dir also keine Sorgen, der Dynamikumfang liegt realistisch (und praktisch) locker bei 4–5 Blenden, sodass hier genügend Raum in der Nachbearbeitung bleibt.

Mit 33 Megapixel hat Sony meiner Meinung nach einen “Sweet Spot” erreicht, 24 sind manchmal zu wenig und die 42 der A7RIII (oder gar die 61 der A7RIV) eben oft (viel) zu viel. In der Praxis macht das eine etwa doppelt so große Datei aus. Die A7III erzeugt Dateien mit ca. 25 Megabyte, die A7IV im Mittel zwischen 40 und 45 Megabyte (RAW und verlustfrei komprimiert).

Dieser Sprung lässt sich noch gut verwalten und schont Speicher und Performance. Der Mehrwert ist klar: Etwa 40% mehr Spielraum beim Beschneiden, ohne aber in einen kritischen Pixelbereich von unter 16 MP zu kommen (für hochwertige Drucke z.B.)

Unterwegs mit der Sony A7IV: Spritzig und treffsicher

Ich bin vorrangig Fotograf und setzte die A7IV auch hauptsächlich dafür ein. In den letzten Monaten seit Kauf konnte ich einige Erfahrungen sammeln. Bei Sony bin ich bisher auf der Profi-Ebene unterwegs, A9 Mark I und A9 Mark II – ich bin es also gewohnt, eine schnelle Kamera zu nutzen.

Die A7IV hat keinen Stacked-Sensor und wenn du die A9 Modelle (oder auch A1) kennst, dann wirst du hier auf jeden Fall einen Unterschied wahrnehmen. Allerdings ist dieser geringer, als ich dachte. Kommst du von einer A7III (was wahrscheinlicher ist) ist eine positive Veränderung sofort zu spüren.

Schnell – was heißt das konkret?

Die Sony A7IV ist schon beim Einschalten viel schneller. Wenn ich die Kamera am Gurt hängen habe, oder ich sie mit einer Handgelenks-Schlaufe in der Hand halte und sie einschalte, braucht es keine 2 Sekunden und ich kann auslösen! Das ist dann die Zeit, die ich sowieso benötige, um durch den Sucher zu schauen.

Die Kamera ist so tatsächlich spritzig geworden, vorbei sind die langen Einschaltzeiten, die A7IV ist damit schneller Auslöse bereit als die A9 MKI. Das ist natürlich großartig und macht riesigen Spaß. Gerade auf der Straße, wo jede Zehntel-Sekunde entscheiden kann, ist die A7IV einfach nie „im Weg“.

Der Autofokus ist, wie allgemein bekannt, einer der schnellsten, die ich kenne. Hier kann ich in der Praxis keinen Unterschied zur A9-Serie machen. Wenn, dann sind es Millisekunden, die jeder normale Mensch ohnehin nicht mehr wahrnehmen kann. Der Wechsel zwischen Tier- und Mensch Erkennung ist über das FN-Menü auch jederzeit schnell gemacht. Sony ist hier nun auf einem Niveau, wovon ich vor wenigen Jahren noch nicht mal im Traum gedacht hätte.

In Kombination mit den neuen hochwertigen und schnellen Liniear-AF Objektiven (wie das Sony 70-200 GM II) fühle ich mich manchmal wie ein “Scharfschütze”. Wenn ein Bild mal so richtig unscharf ist, liegt es meistens an der falschen Verschlusszeit und nicht am Autofokus-System der A7IV.

An Geschwindigkeit fehlt es allerdings dem Sensor, genauer gesagt des BUS-Systems der Kamera. Die Serienbildgeschwindigkeit kommt hier natürlich nicht an den Speed der A9-Serie oder der A1 ran (weil keine Stacked-Technologie verbaut ist). Wenn für dich jedes Frame pro Sekunde zählt, ist die A7IV nicht die beste Wahl. Auch die daraus resultierende Rolling-Shutter Problematik sehe ich kritisch, ich fotografiere deshalb fast immer mit dem mechanischen Verschluss.

Maximal flexibel, mit drehbarem Bildschirm?

Das dreh- und schwenkbare Display, welches es seit einiger Zeit nun auch bei Sony gibt, hat es jetzt auch in die A7IV geschafft. Das Thema ist dabei ziemlich kontrovers! Ich persönlich muss nach den ersten Monaten mit diesem Display sagen:
Mein Fall ist es nicht! Das liegt aber mehr daran, dass so ein Konzept eher etwas für Filmer ist und weniger für Fotografen.

Das einfache klappbare Display mochte ich lieber, es ist schneller und ich habe weniger das Gefühl, das Display könnte etwas abbrechen. Keine Sorge, Sony hat die Verbindung sehr robust umgesetzt. Beim Fotografieren auf der Straße ist es mir wichtig von Oben auf das Display schauen zu können, durch die Drehung steht den Bildschirm dann aber links über, was unpraktisch ist.

Bist du aber der Porträt-Fotograf, der sehr gern im vertikalen Schnitt arbeitet, wird dir das Display gefallen. Zugegeben, es ist schon sehr angenehm Hochkant Portraits ohne eine Verrenkung des Nackens machen zu können.

Beim Filmen allerdings zeigt dieses Konzept seine Stärken. Besonders auf dem Gimbal ist es praktisch zur Seite und nach unten neigen zu können.

Es liegt also an deinen Präferenzen, letztlich ist es aber nicht „schlecht“ in dem Sinne, dass du damit nicht zuverlässig arbeiten kannst. Es mag sicher auch ein Stück Gewohnheit dazugehören.

Kopf und Zahl gleichzeitig? Eine Kamera, die beides kann (Filmen und Fotografieren)

Die Produktpolitik von Sony ist in den letzten Jahren eigentlich klar gewesen:

A7 Serie = Einstiegs Vollformat 
A7R Serie = Hochauflösender Sensor
A7S Serie = Hochempfindlicher Sensor zum Filmen
A9 Serie = Maximale Geschwindigkeit für Sport- und Reportage

Doch mittlerweile sehe ich hier starke Überschneidungen, denn im Prinzip ist die Sony A7IV nun eine „halbe Sony A1“.
Beide Modelle versuchen einen „etwas von allem Charakter“ zu erfüllen.

Die A7IV tut das sogar überraschend gut, denn Filmen ist mit fast allen Features aus der A7S III möglich, es muss „nur“ auf 120 f/s verzichtet werden. Die Bit-Tiefen sind dieselben und es wird sogar von 6K mit voll ausgelesenen Sensor auf 4K runtergerechnet (6K downsampling). Das Ergebnis ist eine Qualität, die für eine solch kleine Kamera einfach hervorragend ist.

Ich erinnere mich gern an die alten VHS-Tage, gerade mit diesem Vergleich wird klar, wie gut die Technik heute ist. Alle modernen und notwendigen Farbprofile sind enthalten. Das neue Feature “Breathing Compensation” find ich besonders lobenswert, hier wurde ein wirklich praxisrelevantes Problem mittels Software gelöst. So sollten meiner Meinung nach Kameras entwickelt werden. Vom User zum Producer sozusagen, aber das ist ein anderes Thema.

Der neue Umschalter unter dem Hauptmenü-Rad ist eine gute Sache, noch besser ist aber, die Trennung der Menüs. Sowohl das Foto-Menü, als auch das Video-Menü ist darüber unabhängig auszuwählen. Vorbei die Zeiten, wo vor jedem Wechsel abermals die Einstellungen gemacht werden mussten (oder ich über eines der Memory-Speicher-Slots gehen musste).

Ach ja, apropos Menü: Ja, das Menü ist schöner und sinnvoller strukturiert, ich hatte aber auch mit dem alten Menü keine Probleme. Am Ende ist es schlicht Gewohnheit, zudem auch das alte Menü bereits Favoriten speichern konnte.

Die A7IV fühlt sich also tatsächlich wie eine echte Hybridkamera an. Nach einer kurzen Eingewöhnung willst du wahrscheinlich keine ältere Sony mehr in der Hand halten und benutzen. 🙂

Wenn es zu viel wird: Überhitzung der Sony A7IV beim Filmen (Stand 04/2022)

Überhitzung, ein Thema, das immer wieder vorkommt und zur A7IV kann ich es kurz machen: Ja, die Kamera überhitzt! Meine Erfahrungen damit sehen so aus, dass (bei ausgeschalteter verspäteten Warnung) nach etwa 25–35 Minuten (je nach Außentemperatur) die Kamera abschaltet. Bei eingeschalteter verspäteten Warnung etwa nach 40–45 Minuten.

Da mein Schwerpunkt auf Fotografie liegt, kann ich damit leben. Bei Filmern, die auch längere Interview-Szenen drehen wollen, wäre ich vorsichtig und würde wohl auf eine Sony A7SIII greifen.

Dennoch hoffe ich, Sony kann hier mittels Firmware nachhelfen.

Eine Für alle Fälle: mein Fazit nach 4 Monaten (Stand 04/2022)

Die Sony A7IV ist in allen technischen Aspekten besser als ihr Vorgänger, die A7III. Sony hat also ihre Hausaufgaben gemacht und das sogar richtig gut. Ich halte die Sony A7IV für einen idealen Begleiter, ob nun als Profi auf Jobs, als Filmer,  oder als Hobbyist im Urlaub. Diese Kamera wird auch in 5 und mehr Jahren in vielen Belangen vollkommen ausreichen.

Wenn du noch Fragen hast, die ich hier nicht beantwortet habe, schreib mir einfach eine Mail.

 

 

Wer hier schreibt

Hi, ich bin Stefan Franke und lebe in Fulda. Ich liebe das Laufen, Reisen und Fotografieren. In meinem Blog schreibe ich über fotografische Themen, inspirierende Künstler, spannende Technik oder über das Leben und Reisen. Ich bin ausgebildeter Fotograf, Mediengestalter und seit über 12 Jahren als Fotograf unterwegs. Auf dem Bild siehst du mich auf der Chinesischen Mauer, während eines spontanen Selfies.

Stefan Franke auf der Chinesischen Mauer

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