Stefan FrankeFulda · DE
Stefan Franke
Perspektive3. Jun 202610 min Lesezeit

Alles auf Anfang:
Warum ich nicht nur meine Website neu gebaut habe, sondern meinen ganzen Workflow

Alles auf Anfang: Warum ich nicht nur meine Website neu gebaut habe, sondern meinen ganzen Workflow

Angefangen hat alles mit einem kleinen Plugin. Im Februar habe ich mit Opus 4.6 die ersten ernsthaften Schritte gemacht und angefangen, mit Claude zu programmieren. Kein großes Projekt, eher ein Werkzeug für mich selbst: ein Lightroom-Plugin, mit dem ich meine Lichtnotizen schnell und direkt aus dem Katalog in meine WordPress-Seite bekomme. Klingt unspektakulär. Für mich war es der Moment, in dem etwas ins Rollen kam.

Denn aus dem einen Tool wurde eine Frage, die mich nicht mehr losgelassen hat: Was könnte ich eigentlich noch alles selbst bauen, statt es mir von zwölf verschiedenen Diensten zusammenzukaufen? Ich habe sehr viele Bilder, und die wollte ich irgendwann dynamisch ausspielen, in Portfolios, in Blogbeiträgen, in Serien. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto klarer wurde mir: Es geht gar nicht in erster Linie um eine neue Website. Es geht darum, meinen ganzen Arbeitsablauf an einen Ort zu holen.

aktuelle eigene Fotografie (Auswahl Stefan), ruhiger Einstieg ins Thema

Das eigentliche Problem: alles liegt woanders

Du kennst das vielleicht. Die bearbeiteten Bilder liegen in Lightroom. Die privaten Schnappschüsse in Google Fotos. Die Kundengalerien in einem Galeriesystem wie Picdrop. Jeder Dienst macht seine Sache ordentlich, aber alles ist dezentral, alles lebt in seiner eigenen Welt, und ich schiebe ständig Daten von A nach B. Mein Ziel war eine einheitliche Lösung, mit der ich das alles unter einem Dach kombinieren kann.

WordPress ist mir an dieser Stelle einfach zu eng geworden. Es gibt für vieles ein Plugin, das stimmt, aber genau das ist das Problem: Für jede Kleinigkeit brauchst du wieder ein Plugin, und am Ende bläht das die ganze Seite auf. Dazu kommt der Speed. Mit einem modernen Tech-Stack lassen sich deutlich schnellere Webseiten realisieren, und das war mir wichtig. Ich wollte nicht das nächste schwerfällige Theme, ich wollte etwas Eigenes, das genau das tut, was ich brauche, und sonst nichts.

Ein einziges Zuhause für meine Bilder

Die große Idee dahinter ist ein eigenes Medien-Tool, in dem alles zusammenläuft. Ein Pool, in dem ich auch meine privaten Fotos sammle und sortiere. Die Bilder werden automatisch getaggt, und mit KI wird eine intelligente, schnelle Suche möglich. Daraus kann ich in Sekunden ein Album für private Zwecke teilen. Ich kann aus demselben Pool aber auch eine Serie zusammenbauen und sie veröffentlichen, ohne die Bilder vorher durch drei Tools zu schleusen.

Und dann ist da die Kundenseite, die nach wie vor professionell bleiben muss. Hier stelle ich Bilder DSGVO-konform bereit, setze eigene Galerien auf, und das alles unter einer Brand und einer Infrastruktur. Privat und Kunde, getrennt sortiert, aber im selben Haus. Später möchte ich Lightroom direkt anbinden, damit der Weg von der Bearbeitung bis zur Veröffentlichung noch kürzer wird.

Ein Flussdiagramm zeigt die Struktur einer Website mit Mediathek, verschiedenen Inhaltsbereichen, Datenbankanbindung und Cloudflare-Basis.
KI-generiert

Damit das alles zusammenläuft, brauchte es ein technisches Fundament. Ich habe mich für Next.js in der aktuellen Version entschieden. Der Vorteil liegt im serverseitigen Rendering: Selbst komplexe JavaScript-Anwendungen werden auf dem Server vorbereitet, und das sorgt für eine wirklich gute Performance. Gleichzeitig lässt sich mit dieser Struktur alles miteinander verbinden, die einzelnen Workflows greifen ineinander, statt nebeneinander herzulaufen. Die Daten selbst liegen bei Cloudflare. Das war eine bewusste Entscheidung, weil es dort kein Limit beim Datenvolumen gibt und ich nur für den tatsächlichen Traffic zahle. Gerade für kleinere Fotografen lohnt sich das im Vergleich zu klassischen Cloud-Anbietern, die feste Pakete verkaufen. Eine gewisse technische Grundlage braucht es dafür, keine Frage. Aber genau da hilft mir die KI wieder, die Lücken zu schließen.

Screenshot der Webseite des Fotografen Stefan Franke mit einer Überschrift, einem Porträtfoto und einer Übersicht ausgewählter Arbeiten.

Warum gerade das Schreiben wichtiger wird, nicht unwichtiger

Es geht aber nicht nur um die Features drumherum. Es geht auch um die Kommunikation nach außen, und da ist der Blog für mich ein ganz wesentlicher Punkt. Im Moment entsteht der Eindruck, dass die klassische Suche bald komplett von KI-getriebener Suche abgelöst wird. Google geht ja längst in diese Richtung. Viele schließen daraus, dass eigene Inhalte an Bedeutung verlieren. Ich sehe das genau andersherum. Ich glaube, dass persönliche Meinungen und Perspektiven dadurch wichtiger werden, nicht unwichtiger.

aktuelle eigene Fotografie (Auswahl Stefan)

Genau deshalb halte ich das pure Schreiben für so wertvoll, und genau deshalb verändere ich auch hier meinen Workflow mit KI. Dieser Artikel ist das beste Beispiel. Ich spreche einen Monolog ein, minutenlang, manchmal länger, beleuchte Themen, werfe Ideen raus, und daraus wird ein Text in meinem Stil. Eine destillierte Version, bei der am Ende meine Sichtweise klar wird. Für mich ist das ein viel zeitgemäßerer und ehrlich gesagt auch besserer Umgang mit dem Bloggen, schneller und effektiver, ohne dass die Stimme verloren geht. Ich bin überzeugt, dass genau das an Bedeutung gewinnt, wenn es darum geht, gefunden zu werden.

aktuelle eigene Fotografie (Auswahl Stefan)

Newsletter gehört ins Haus, nicht zu einem Fremddienst

Der Newsletter ist so ein Thema, das gern unterschätzt wird. Für mich war wichtig, dass auch das inhouse läuft. Ich wollte nicht schon wieder ein drittes Tool einbinden und Inhalte zwischen Systemen hin und her kopieren. Also liegt das jetzt zentral bei mir, DSGVO-konform, mit Opt-in und Opt-out, alles sauber abgebildet. Dafür habe ich eine eigene Datenbank angebunden, deren Standort in Deutschland liegt. Gerade beim Thema Adressdaten ist mir das wichtig.

Der Vorteil zeigt sich im Alltag. Ich verwalte meine Adresslisten direkt im Dashboard, und weil meine Mediathek angebunden ist, stelle ich aus vorhandenen Assets in kurzer Zeit einen Newsletter zusammen. Das macht mich agil. Eine klare, schnelle Kommunikation nach außen, ohne Umwege über fremde Systeme.

Der Hebel heißt Geschwindigkeit

Ich baue auch heute noch Seiten in Elementor mit WordPress, und das funktioniert gut, da gibt es nichts zu meckern. Aber der eigentliche Grund für den ganzen Schritt ist der Hebel und die Geschwindigkeit, die mit den aktuellen KI-Modellen möglich sind. Ein Beispiel: Die ganze Seite, Design und Features, ist in etwa vier Wochen entstanden. Nicht am Stück, eher zwei bis drei Stunden hier und da, unterm Strich vielleicht 32 Stunden. Wenn ich daran denke, was ein Entwickler dafür früher gebraucht und gekostet hätte, ist das überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Ein kurzer Blick auf die Zahlen macht das deutlich. Ein Freelancer kostet schnell um die 100 Euro pro Stunde. Claude Code im Max-Plan bekomme ich ab 100 Euro im Monat, mit großzügigen Limits. Eine einzige Stunde beim Entwickler steht also einem ganzen Monat Arbeit mit dem Modell gegenüber.

Schön ist dabei das Hin und Her. Die Ideen kamen mir nach und nach, und genau da spielt Claude Code seine Stärke aus. Ich beschreibe, was ich möchte, bekomme Vorschläge zurück, die ich so gar nicht auf dem Schirm hatte, und Stück für Stück ergibt sich das Bild. Ich bin überzeugt, dass man hier auf der Höhe der Zeit sein muss, um mitzuhalten. Nicht aus Technikbegeisterung allein, sondern weil sich verschiebt, was in welcher Zeit machbar ist.

Muss man dafür programmieren können?

Vielleicht fragst du dich jetzt, ob man dafür programmieren können muss. Die ehrliche Antwort ist nein, und genau das fasziniert mich. Andrej Karpathy hat dafür den Begriff Vibe Coding geprägt: Du kannst selbst nicht programmieren, aber du hast eine Idee und setzt sie trotzdem um. Dass ich heute praktisch jede Idee, die mir in den Kopf kommt, auch wirklich bauen kann, begeistert mich bis heute.

Ein bisschen Hintergrund hilft dabei. Ich habe eine IT-Ausbildung gemacht und war nie wirklich Programmierer, aber ich verstehe, wie Webseiten grob funktionieren, was ein Server und was ein Client ist und wie eine Programmiersprache ungefähr tickt. Das macht das Gespräch mit dem Modell leichter. Zwingend nötig ist es nicht. Vor Kurzem habe ich für einen guten Freund mit Claude ein kleines Plugin gebaut, das ihm ein einfaches Galeriesystem für seine Portrait-Shootings bereitstellt.

Wenn mich ein Fotokollege fragt, wo er anfangen soll, sage ich immer dasselbe. Überleg dir, was du können möchtest, und bau mit Claude die ersten Entwürfe. Für mich ist das Modell ein Sparringspartner, mit dem ein echter Austausch entsteht und der dir auch kritisch widerspricht, wenn du es zulässt. Und dann gilt vor allem eins: ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren. Wenn du selbst loslegen willst: Die ersten drei, die über meinen Link starten, bekommen eine Woche Claude Code geschenkt. Mehr Plätze habe ich nicht, also gilt wer zuerst kommt.

Und die Website? Die ist nur die Spitze

So hat sich am Ende auch das Design ergeben. Ich mag diesen editorialen Look sehr, weil ich Typografie liebe. Typografie und Fotografie in Kombination, das ist für mich einfach eine schöne Sache. Genau das wollte ich auf der Seite spürbar machen.

Dazu kommen ein paar kleine Elemente, die für Fotografie stehen. Die technischen Angaben unter den Bildern zum Beispiel, f4, 1/125, ISO 400. Oder die Belichtungsskala, die man aus alten DSLR-Kameras kennt. Wenn du über ein Bild fährst, wird es kurz unscharf und ein Rahmen legt sich darüber. Kleine, spielerische Details, die das Ganze technisch wirken lassen, ohne aufdringlich zu sein. Die Website ist am Ende nicht der Kern der Geschichte. Sie ist die sichtbare Spitze von allem, was darunter läuft.

die neue Startseite im editorialen Look, Typografie und Foto nebeneinander, mit den technischen Bildangaben

Wo ich KI nicht das Steuer überlasse

Bei allem Tempo gibt es Bereiche, in denen ich die Kontrolle bewusst behalte. Das eine ist die textliche Gestaltung, das andere die Bildauswahl. Bei den Texten lasse ich mich unterstützen, aber die Sichtweise und die Worte bleiben meine. Und bei den Bildern entscheide ich, welche Collections, welche Prints und welche Serien auf der Seite zu sehen sind. KI hilft mir beim Sortieren und Finden, die Auswahl treffe ich selbst.

aktuelle eigene Fotografie (Auswahl Stefan), echtes Foto

Eines ist mir dabei besonders wichtig. Alle Fotografien auf der Seite sind echt, keine künstlich generierten Bilder. Dieser Bereich soll authentisch bleiben, und das ist für mich keine Verhandlungssache.

aktuelle eigene Fotografie (Auswahl Stefan), echtes Foto
aktuelle eigene Fotografie (Auswahl Stefan), echtes Foto

Würde ich das wieder so machen?

Ehrlich? Es kommt darauf an, welcher Typ du bist und was du mitbringst. Für jeden lohnt sich dieser Weg nicht.

Wer sich in der Tech-Welt sowieso schon auskennt, der wird auch KI verstehen und sie besonders gut nutzen können. Wer dagegen grundlegende Strukturen im Web nicht versteht, der bleibt vermutlich besser bei Anbietern wie Wix oder Squarespace. Auch die werden ihre Tools KI-getrieben verbessern, und das ist ein riesiger Hebel für jemanden, der sonst keine Möglichkeit hätte. Mein Fazit ist also ein Jein.

Aber wer sich in der Tiefe damit beschäftigen möchte und seinen Workflow nachhaltig und individuell aufbauen will, der hat hier eine enorme Möglichkeit. Unterm Strich ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen. Man kann sehr viel gewinnen, und man lernt eine Menge. Ich habe selbst viel dazugelernt und könnte mir nicht vorstellen, zurückzugehen. Für mich hat sich das definitiv gelohnt, und ich habe das Gefühl, gerade erst angefangen zu haben.


Weiter lesen

Andere Beiträge.

Alle Beiträge →